Schon wieder ein Gutmensch weniger – Gute Reise Peter Lustig

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Das Jahr 2016 ist nun gerade mal knapp 2 Monate jung und schon so viele Seelen haben das irdische Leben verlassen um sich auf eine neue, vielleicht sogar glücklichere, Reise zu begeben. Neben David Bowie, Glenn Frey, Roger Willemsen, Achim Mentzel, Umberto Eco, Maurice White, Wolfgang Rademann, Alan Rickmann sind natürlich auch viele Menschen von uns gegangen, die keinen großen Namen hatten.

Wer weiß, vielleicht ist auch der nette DHL Mann,  der mir die Amazon Päckchen immer mit einem netten Spruch auf den Lippen überreichte, nun Sachbearbeiter für Wünsche im Universum. Ich hoffe es nicht, und er ist womöglich nur einem anderen Bezirk zugeteilt. Damit will ich nur zum Ausdruck bringen, dass es so viele Menschen gibt, von deren Schicksal wir gar nichts wissen.

Und trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass es in diesem Jahr schon besonders viele Menschen gibt, die nun nicht mehr unter den Lebenden weilen.  Haben Sie es hier, zwischen Politikern, die einen Einsatz von Schusswaffen an deutschen Grenzen befürworten, Intelligenzflüchtlingen, die ohne Hirn und Verstand Asylantenheime anzünden und Donald Trumps, die nach der Weltherrschaft greifen, einfach nicht mehr ausgehalten? Verdenken könnte man es ihnen nicht.

„Ein Gutmensch weniger“

Tja, und nun hat auch Peter Lustig abgeschaltet. Ein Gutmensch weniger. Leider. Wir Kinder der 1970’er und 1980’er sind an dem netten Latzhosenträger einfach nicht vorbeigekommen. Damals als die Welt noch in Ordnung war. Na ja, zumindest die Kinderfernsehwelt. Wenn Peter Lustig gesagt hat, wir sollen abschalten, dann haben wir das auch gemacht. Auch wenn es uns schwer fiel.

Peter Lustig, der mit Elfie Donnelly, der Erfinderin von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg, verheiratet war, war wie ein guter Freund, der uns Kindern die Welt erklären konnte.

„Kinder sind klebrig, störend und laut“

Umso mehr hat es mich geschockt, als ich vor ein paar Jahren lesen musste, dass er Kinder hasst. Mein ganzes Weltbild ist eingestürzt. Das war Verrat an meiner Kinderseele. Und nun fing ich an Peter Lustig zu hassen. Wenn ich ihn in Talkshows gesehen habe, habe ich weitergezappt. So einen Heuchler konnte und wollte ich nicht ertragen. Selbst alte Löwenzahnfolgen wollte ich mir nicht mehr anschauen. Mein Sohn sollte das auch lieber nicht sehen und so konnte ich recht schnell die Titelmelodie der Teletubbies mitsingen. Sooo schlecht waren die auch nicht.

Als nun die Nachricht die Runde machte, dass Peter Lustig, der übrigens wirklich so heißt und zu Lebzeiten auch privat Latzhosen getragen hat, verstorben ist, war mein erster Gedanke: „Aha, der Kinderhasser“. Kann sein, dass es auch mein zweiter oder dritter Gedanke war, aber das schoss mir recht schnell durch den Kopf.  Leider ! Dafür schäme ich mich und macht mich auch ein wenig traurig. Denn wie ich jetzt lesen musste, war das nur ein blödes Gerücht.

Genauso wenig wie Derrick zu Harry Klein gesagt hat, dass er doch schon mal den Wagen holen soll, hat Peter Lustig gesagt, dass er Kinder hasst. In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung hat er lediglich Folgendes zu Protokoll gegeben: „Ich habe in einem Interview einmal gesagt, dass Kinder nicht vor die Kamera gehören, weil sie sich langweilen, wenn sie eine Szene immer wieder wiederholen müssen“, sagt der ehemalige Fernsehmacher. „Aber es ist ihr Vorrecht, laut zu sein und einem auf den Geist zu gehen.“

Nur ein paar Tage danach konnte man in der „Bild am Sonntag“ die Schlagzeile „Peter Lustig – ich kann Kinder nicht leiden“ lesen. Die „Hamburger Morgenpost“ setze noch einen drauf und titelte „Das Schock-Geständnis von Peter Lustig“. In dem dazugehörigen Bericht warf man die rhetorische Frage auf ob ihn „alle guten Geister verlassen“ hätten.  Dazu wurde er mit folgendem Satz zitiert „Kinder sind klebrig, störend und laut“.

Meine Güte ich habe es geglaubt. Einfach so. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht zu hinterfragen ob das wirklich stimmt.  Das tut mir leid.

Es gibt eine schöne, und passende, Geschichte die ich für mein Hörbuch „Mit Gott zu Mittag gegessen“ vertont habe:

Die üble Nachrede:

Ein Nachbar hatte über Federmann schlecht geredet und die Gerüchte waren bis zu Federmann gekommen. Federmann stellte den Nachbarn zur Rede.
„Ich werde es bestimmt nicht wieder tun“, versprach der Nachbar. „Ich nehme alles zurück, was ich über Sie erzählt habe“. Federmann sah seinen Nachbarn ernst an. „Ich habe keinen Grund, Ihnen nicht zu verzeihen“ erwiderte er. „Jedoch verlangt jede böse Tat ihre Sühne.“
„Ich bin gerne zu allem bereit.“ sagte der Nachbar zerknirscht.
Federmann erhob sich, ging in sein Schlafzimmer und kam mit einem großen Kopfkissen zurück. „Tragen Sie dieses Kissen in Ihr Haus, das hundert Schritte von meinem entfernt steht.“ sagte er. „Dort schneiden Sie ein Loch in das Kissen und kommen wieder hierher zurück, indem Sie unterwegs immer eine Feder nach rechts, eine Feder nach links werfen. Dies ist der Sühne erster Teil.“

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Der Nachbar tat, wie ihm geheißen. Als er wieder vor Federmann stand und ihm die leere Kissenhülle überreichte, fragte er: „Und der zweite Teil meiner Buße?“
„Gehen Sie jetzt wieder den Weg zu Ihrem Haus zurück und sammeln Sie alle Federn wieder ein.“ Der Nachbar stammelte verwirrt: „Ich kann doch unmöglich all die Federn wieder einsammeln! Ich streute sie wahllos aus, warf eine hierhin und eine dorthin. Inzwischen hat der Wind sie in alle Himmelsrichtungen getragen. Wie könnte ich sie alle wieder einfangen?“
Federmann nickte ernst: „Sehen Sie! Genau so ist es mit der üblen Nachrede und den Verleumdungen. Einmal ausgestreut, laufen sie durch alle Winde, wir wissen nicht wohin. Wie kann man sie also einfach wieder zurücknehmen?“

„Wenn der Tag nicht Dein Freund war, so war er doch Dein Lehrer“.

Ich kann mein sehr schnell gefälltes Urteil über Peter Lustig nicht ungeschehen machen. Aber ich habe daraus gelernt. Ich werde seinen Tod, und die Erkenntnis, dass ich einer offensichtlichen Falschmeldung erlegen bin, zum Anlass nehmen, noch mehr Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Bei der unüberschaubaren Masse an Informationsquellen ist das sicherlich nicht einfach. Aber es lohnt sich. Und wenn man wirklich nicht weiß ob eine Meldung wahr oder falsch ist, dann kann man sich zumindest die Frage stellen, ob es womöglich sogar ganz anders ist.

Eigentlich wollte ich ja dieses Wochenende mit meinem Sohn ins Kino. Kann er aber knicken, denn in Gedenken an Peter Lustig, werde wir uns viele alte Löwenzahn-Folgen auf DVD anschauen. Das bin ich ihm irgendwie schuldig und mein fast 16-jähriger Sohn muss da durch.

Gute Reise lieber Peter Lustig !

3 Gedanken zu “Schon wieder ein Gutmensch weniger – Gute Reise Peter Lustig

  1. „Kinder müssen manchmal doofe Dinge tun, die die Eltern wollen!“ Daran musste ich an deinem letzten Absatz denken. 😉

    Ja, ich kann dich da verstehen. Man verurteilt schnell, aber letztendlich hilft diese Erkenntnis sich noch mehr Gedanken über den eigenen Informationenfilter zu machen.

    Liebe Grüße,
    Maren

    1. Manchmal müssen aber auch Eltern doofe Dinge tun, die die Kinder wollen. Vor Allem, wenn der blöde DVD Player den Geist aufgegeben hat 😉 😀 Und ein Nickerchen im Kino hat auch was für sich 😉

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