Gehst du mit mir wählen ?!

postcard-560719_960_720.pngUm eines mal gleich zu Anfang klar zustellen: Ich wähle dieses Jahr eine Alternative für Deutschland. Eine provokante Aussage. Ich weiß. Aber, wie so oft im Leben, hilft ein zweiter Blick. Ich habe geschrieben, dass ich EINE Alternative für Deutschland wähle, nicht die DIE und schon gar nicht die AfD.

Ich muss mich jetzt aber erst mal outen: Vor ein paar Jahren hätte ich fast die AfD gewählt. Das schreibt hier jemand, der alles andere als auch nur annähernd rechtes Gedankengut in sich trug und trägt. Ich bin Veganer, zahle einen jährlichen Spendenbeitrag an eine Umweltorganisation, zu Schulzeiten waren meine besten Freunde Türken, Anfang der 1990’er hätte ich fast gegen den Golfkrieg demonstriert, ich habe schwule Freunde und wenn ich gewählt habe, dann machte ich mein Kreuzchen eher sehr weit links von der politischen Mitte.

Vor ein paar Jahren tauchte dann auf einmal in der Politik eine Partei auf, die sich auf die Fahnen schrieb eine Alternative für Deutschland zu sein. Etwas misstrauisch war ich schon. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich die Ausführungen des damaligen Parteivorsitzenden, Bernd Lücke, interessiert verfolgt habe. Irgendwie tat er mir auch leid, weil er von den Journalisten kategorisch in die rechte Ecke gestellt wurde. Zu Recht? Ein Freund schlug mir sogar vor mal zu einem Vortrag der AfD zu gehen, um sich deren Inhalte mal etwas genauer anzuhören. Schließlich kann man sich ja auch mal informieren. Nur wenige Tage später hatte ich einen Flyer mit dem Wahlprogramm der AfD auf dem Esstisch zu liegen.

„Die AfD ein Fähnlein im Wind?“

Wirklich rechte Tendenzen konnte ich bei der Partei damals allerdings nicht feststellen. So hieß es u.a. in dem Wahlprogramm von 2013 „Verfolgte müssen in Deutschland Asyl finden können. Zu einer menschenwürdigen Behandlung gehört auch, dass Asylbewerber hier arbeiten können.“ (nachzulesen auf http://www.alternative-rlp.de/wp-content/uploads/2013/05/2013_Wahlprogramm.pdf)

Trotzdem schienen mir einige Inhalte im Wahlprogramm keine ernsthafte Alternative für Deutschland zu sein. Ich will es kurz machen: Ich habe die AFD nicht gewählt, bin aber auch nicht wählen gegangen.

Allerdings frage ich mich ob die AfD in den letzten Jahren ihr Fähnlein mehr und mehr in den Wind vorbeifahrender Anti-Flüchtlings-Züge und der heißen Luft der Pegida-Demos, gehängt hat. Wie die aktuelle politische Lage bzw. die Stimmung in Deutschland aussieht muss ich nicht weiter beschreiben. Es scheint so, dass es zwei große Lager gibt. Die Einen sind für und die anderen sind gegen die AfD.

Ich möchte auch nicht weiter der Frage nachgehen ob Frau Petry und Frau Storch nun für einen Schießbefehl sind oder nicht. Überhaupt möchte ich mich nicht über diese oder jene Partei auslassen. Denn neben der Afd gibt es ja auch noch Parteien wie die NPD, die Republikaner oder  „die Rechten“. Letztere haben auf ihrem aktuellem Wahlplakat den Slogan „Wir hängen nicht nur Plakate“ zu stehen.

Etwas beunruhigend finde ich aber, dass die NPD aktuell den Schulterschluss mit der AfD sucht. Diese betont zwar ausdrücklich, dass es keine Schnittstellen mit der NPD gibt, aber wundern darf sie sich auch nicht. Denn das durchaus provokante, und braungefärbte, Auftreten der AfD in der Öffentlichkeit zielt nun mal direkt ins Herz eines sich, grundsätzlich von der Gesellschaft und Politik verlassen und verraten gefühlten, Pegida Mitläufers.

„Wählen ist wie Zähneputzen. Wenn Du es nicht tust, wird’s braun.“

Es gibt aber tatsächlich eine Alternative für Deutschland. Die heißt Wählen gehen. Jeder, der nicht möchte, dass die AfD in Landtage und 2017 dann in den Bundestag einzieht, sollte sein Wahlrecht nutzen. Nicht wählen ist einfach keine Lösung. Jede nicht abgegebene Stimme könnte ein Stimme für die AfD oder andere rechtsorientierte Parteien sein.

Es muss ja auch nicht die CDU, CSU, SPD oder die Grünen sein. Wenn auch die Linken oder die fast schon längst vergessene FDP den Weg zu Wahlurne nicht wert sind, könnte man sich auch mit etlichen kleinen Parteien inhaltlich auseinandersetzen. Es gibt sogar eine Tierschutzpartei.

Wir leben in einer Demokratie. Punkt. Ja natürlich habe ich dann auch das Recht nicht wählen zu gehen. Aber dann darf ich mich nicht darüber aufregen, dass Bernd Höcke mal wieder recht provokant ein kleines Deutschlandfähnchen in einer Talkshow über seine Armlehne legt und öffentlich skandiert, dass Deutschland wieder seine Männlichkeit wiederfinden muss. Das erinnert mehr und mehr an eine Zeit, die ich zum Glück nur aus Geschichtsbüchern kenne.

Kabarettist Hagen Rether bringt es für meine Begriffe ganz gut auf den Punkt, „Wählen ist wie Zähneputzen. Wenn Du es nicht tust, wird’s braun.“ Fast noch treffender, und allgemein gültiger, ist folgender Vergleich: “ In einer Demokratie nicht zum Wählen zu gehen, ist so logisch wie sich eine Kinokarte zu kaufen, dann aus Protest nicht in den Film zu gehen und zu hoffen, dass man damit irgendetwas erreicht.“

Aus Protest eine rechtsgerichtete Partei zu wählen, damit ein Ruck durch Frau Merkel und Co. geht, ist definitiv auch keine Lösung und von Bierseligen Stammtischgelaber ändert sich erst recht nichts.

Immer wieder zitiere ich in meinem Blog den guten alten Gandhi: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir für diese Welt wünschst“. Diese weisen Worte passen einfach perfekt uns es wäre an der Zeit wenn sich mehr und mehr Menschen diese zu eigen machen. Wenn wir also nicht wollen, dass die AfD oder andere Parteien, die rechtes Gedankengut pflegen, sich immer mehr Gehör verschaffen, dann sollten wir wählen gehen. Auch wenn wir es noch so doof finden.

Es geht doch auch darum ein Zeichen zu setzen. Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten sich politisch und demokratisch zu engagieren. Aber wer macht das schon? Da wäre es doch das Einfachste zu den Mitteln zu greifen, die Einem zur Verfügung stehen. Dank Briefwahl müsste man dazu nicht mal aus dem Haus.

„Demokratie ist das Gegenteil von Lethargie“

Betrachten wir es doch mal ganz nüchtern. Na ja, so nüchtern wie man das aktuelle Weltgeschehen betrachten kann. Wahl heißt nicht, dass ich mich für eine spezielle Partei erkläre. Direkt mache ich das natürlich. Aber viel mehr geht es doch darum, dass man als mündiger Bürger signalisiert, wie man sich das Land in dem man lebt vorstellt.

Eine Stimme abzugeben, heißt doch nicht automatisch, dass ich einer Partei applaudiere. Schon gar nicht, dass ich alles befürworte, was diese oder jene Partei entscheidet oder von sich gibt. Außerdem muss eine Partei, die zu 100 Prozent meine Interessen vertritt, wohl erst erfunden werden. Das ist in einer Demokratie auch sicherlich nicht möglich. Partei und Wähler passen nur in sehr seltenen Ausnahmefällen widerspruchsfrei zusammen.

Übrigens: Demokratie ist das Gegenteil von Lethargie, und mit Lethargie erreicht man schon mal gar nichts. Noch was: Demokratie funktioniert nur wenn alle daran teilnehmen. Ich möchte auch noch mal ausdrücklich betonen, dass dieser Artikel kein Aufruf dazu ist die AfD nicht zu wählen. Wer der Meinung ist, dass es die richtige Partei für Deutschland ist, soll sie wählen. Bitteschön. Wie gesagt, wir leben in einer Demokratie. Genauso wenig hilft es aber auch sich darüber aufzuregen.

Im Master Key System, von Charles F. Haanel, heißt es: „Energie folgt Aufmerksamkeit“. Wenn ich also vermeiden will, dass eine Partei, mehr Zuspruch bekommt, die u.a. gegen eine „volkserzieherische Überhöhung von nicht heterosexuellen Menschen“ ist   und den „Treibhauseffekt für eine Verschwörung der Politik“ hält, dann sollte ich meine Aufmerksamkeit darauf lenken, was ich tun kann, damit es nicht dazu kommt.

„Erkennen, erwachen, verändern“ – So der Untertitel zum Bestseller von Heiko Schrangs „Die Jahrhundertlüge“.  Ja, es ist allerdings höchste Zeit etwas zu verändern.

Sein Wahlrecht zu nutzen ist schon mal ein guter Anfang.

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