Genial ! Das passiert wenn Du Dir ein rotes Gummibärchen über Nacht ins linke Ohr steckst.

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Sehr lange habe ich überlegt, ob ich diese Erkenntnis öffentlich teilen möchte. Keine Frage, Gummibärchen sind lecker. Vor Allem die Roten, von denen immer zu wenig in einer Tüte sind.  Aber ins Ohr stecken? Mit Grauen denke ich an die Zeit, als mein Sohn anfing sich alle möglich Kleinteile in Mund, Nase und Ohren zu stecken. Und da waren Gummibärchen noch das Harmloseste. Eltern wissen wovon ich spreche.

Auf jeden Fall freut es mich erst mal, dass ich Dein Interesse geweckt habe. Bevor ich dir gleich im Detail erkläre, welche unglaubliche Auswirkung es auf Dein Leben haben wird, wenn Du Dir ein rotes Gummibärchen über Nacht ins linke Ohr steckst, habe ich noch einen interessanten Fakt für Dich:

Die Firma Haribo produziert weltweit täglich rund 100.000.000 von den süßen Bären. Auf ein Jahr hochgerechnet macht das 36,4 Milliarden Goldbären. Aneinandergereiht würde das eine Länge ergeben, mit der man sage und schreibe viermal die Erde umrunde könnte.

Nun will ich Dich aber nicht länger auf die Folter spannen.

Wenn Du dir regelmäßig ein rotes Gummibärchen in dein linkes Ohr steckst wird folgendes passieren: Nichts ! Rein gar nichts. Das Gleiche passiert auch mit einem Grünen oder Gelben. Absolut nichts. Na ja außer, dass Dein Ohr nun sehr süß riecht und Deine Freundin oder Deine Freund unaufhörlich an Deinem Ohrläppchen knabbert oder mit gekonnter Zungenakrobatik versuchen wird das süße Leckerli heraus zu fischen. So, genug des albernen Kopfkinos.

„Wenn sie die Möglichkeit hätten, würden Schmetterlinge unser Blut, unsere Tränen und unseren Schweiß trinken“

Du fragst Dich nun zurecht, warum ich dann so einen ausgemachten Schwachsinn hier schreibe. Zunächst möchte ich mich bei dir entschuldigen, dass ich dich hier auf eine falsche Fährte gelockt habe.

Das hat weder etwas mit zu viel Langeweile noch mit meiner blühenden Fantasie zu tun. Auch nicht damit, dass ich meine Mitmenschen absichtlich auf’s Glatteis führen möchte. Ganz im Gegenteil. Der Hintergrund ist ein ganz anderer. Ich möchte sensibilisieren. Und zwar dafür einfach nicht allzu vorschnell alles zu glauben was im Internet zu lesen ist. Vor allem in den sozialen Netzwerken.

Ich stelle mal die gewagte These auf, dass ca. die Hälfte ähnlicher Berichte nur ausgedacht sind und einfach nur Mittel zum Zweck sind. Sie wollen nämlich auf etwas ganz anderes aufmerksam machen und spielen dabei mit einem Reiz, der uns Menschen mit in die Wiege gelegt wurde. Neugier. Auch ich tappe immer wieder in solche Fallen. Allerdings teile ich nicht solche Berichte, nur weil mich die Überschrift anspricht und ich der Meinung bin, dass das auch mein virtueller Freundeskreis unbedingt wissen muss.

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Wohl dem möchte ich aber alle Blogger und Bloggerinnen, sowie andere Kollegen der schreibenden Zunft, in Schutz nehmen, die sich nämlich die Mühe machen sehr wertvolle und gut recherchierte Beiträge zu verfassen. So bin ich vor ein paar Jahren durch einen Artikel darauf gekommen, was man zum Beispiel alles mit Natron (Backpulver) machen kann. Haut reinigen, Deo selber machen und sogar Haare waschen. Diese Bloggerin hat sehr anschaulich beschrieben, wie sie Natron einsetzt und ist auch auf Fragen und Kommentare sehr ausführlich eingegangen. Das erschien mir glaubwürdig und ich habe einiges selber ausprobiert. Mit Erfolg.

„Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Leute alles glauben, wenn man behauptet, Wissenschaftler hätten es herausgefunden“

„Wenn sie die Möglichkeit hätten, würden Schmetterlinge unser Blut, unsere Tränen und unseren Schweiß trinken.“ Diese Erkenntnis wurde von einer Facebook-Seite veröffentlicht, die sich mit „Fakten“ beschäftigt. Knapp 13.000 Nutzer gefiel dieser Beitrag und über 300 Menschen teilten es sogar mit ihren Facebook-Freunden. Diese besagte Seite, hat aktuell um die 3 Millionen „Gefällt mir-Angaben“ auf ihrer Seite. Eines sind die angeblichen Fakten aber auf jeden Fall: Sehr unterhaltsam. Tatsächlich wird man aber in keinem Posting irgendeine Quellenangabe zu einer Studie oder Ähnlichem finden.

Auf der anderen Seite sind diese vermeintlichen Fakten aber auch noch etwas anderes: Unglaublich zeitraubend. Dieses, in hübschen Bildern verpacktes, unnützes Wissen macht nämlich regelrecht süchtig. Dank Smartphones und Tablets verliert man sich gerne mal in unendlichem Durchscrollen durch gefährliches Halbwissen. Gefährlich natürlich nur, wenn man glaubt was man liest. Und das passiert schneller als einem lieb ist. Denn immer mehr Menschen verlernen die Fähigkeit zu hinterfragen und nicht alles sofort für bare Münze zu nehmen.

Während ich zu meiner Schulzeit noch dicke Lexika wälzen musste um an Wissen zu kommen, bekommt man heute, vornehmlich von Schülern und Heranwachsenden, als Antwort auf die Quelle ihres Wissens: „Das habe ich aus dem Internet“.

„Man hört in der Welt leichter ein Echo als eine Antwort“

Noch mal zurück den Schmetterlingen, die menschliche Körperflüssigkeiten trinken würden, wenn sie könnten. Was zum Teufel soll ich als Leser nun mit dieser Information anfangen?  Wenn ich es könnte, dann würde ich mich auch zum nächsten Meeting beamen, anstatt mit dem Auto zu fahren. Aber ich kann es nicht. Das ist ein echter Fakt und darf auch gerne geteilt werden.

Einer meiner Lieblings-Facebook-Seiten ist „Der Postillion“.
https://www.facebook.com/DerPostillon/  Ein, auch sehr unterhaltsames und in meinen Augen gut gemachtes, Satiremagazin. Mit nur wenigen Klicks auf der Website erfährt man auch schnell, dass alle Berichte „dreist zusammengelogen“ und fiktional sind. So zu lesen in den FAQ’s. Trotzdem gibt es jede Menge Leser, die selbst augenscheinlich falschen Meldungen Glauben schenken und dies auch in Kommentaren kundtun. Und warum? Weil nicht hinterfragt wird. Blind wird kommentiert und vorschnell auf den „Teilen-Button“ geklickt. Im Falle des Postillions ist auch das sehr unterhaltsam. Zu gleichen Teilen aber auch irgendwie erschreckend. Wobei ich der dort veröffentlichten „Studie“, dass 4 von 5 Affen Zoobesucher ziemlich langweilig finden, durchaus Glauben schenken würde.

Vielleicht kennst Du ja auch das folgende Bild:

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Ein Kaninchen was scheinbar entspannt im Waschbecken badet. Ja aber nur scheinbar. Hunderttausende Male ist das dazugehörige Video auf Facebook und anderen Plattformen geteilt worden. Mit Kommentaren wie „oh wie süß ist das denn“ machte das „Relax-Bunny“ die Runde im World Wide Web. Als ich das gesehen habe, war ich einfach nur geschockt.  Zum Einen weil ich als ehemaliger Kaninchenbesitzer weiß, dass die süßen Langohren Wasser wie die Pest meiden und zum Anderen über die vermeintliche Dummheit der Menschheit, die glaubt, dass ein Tier sich freiwillig in diese Lage bringt. Das muss einem doch der Verstand sagen, dass ein Hase sowas nicht macht. Mit dem Verstand einiger Zeitgenossen kann es tatsächlich nicht weit her sein, wie ein Kommentar unter diesem Video beweist „Kaninchen gehören nicht ins Waschbecken, sondern in einen Bräter. Mit Knoblauch und den Rücken mit Speck gespickt. Dazu ein guter Rotwein.“

Sehr gerne werden auch Berichte geteilt, die sich mit einem drohenden Weltuntergang durch den Einschlag eines Kometen beschäftigen. Selbstverständlich mit Angabe des Tages und genauer Uhrzeit. Mal davon ausgehend, dass so ein Bericht wirklich stimmt, wäre das Verbreiten so einer Neuigkeit nur sinnvoll wenn damit erreicht werden soll, dass man die verbleibende Zeit bis zum alles vernichtenden Einschlag noch mal so richtig genießt und mit den Menschen so intensiv verbringt, die einem am liebsten sind. Ich unterstelle aber mal, dass dies in den meisten Fällen nicht Sinn und Zweck eines solcher Berichte ist.

Dabei wäre es doch wirklich angebracht viel mehr zu teilen. Nämlich wertvolle Zeit, die man mit lieben Menschen verbringt, in der man ein gutes Buch liest oder sich einfach nur der Faszination der Stille hingibt. Denn in der Stille gibt es mehr Antworten auf Fragen, die man weder im Internet noch in jedem Lexikon der Welt findet.

„Man hört in der Welt leichter ein Echo als eine Antwort“  – Jean Paul (1763 – 1825), eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, deutscher Dichter, Publizist und Pädagoge“


Hörbuch, Erwachsene, Märchen

2 Gedanken zu “Genial ! Das passiert wenn Du Dir ein rotes Gummibärchen über Nacht ins linke Ohr steckst.

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