„Never give up“ oder die Kunst seine Talente herauszufinden und vor Allem zu leben.

Never give up a cloud  massage on sky

 

Mein großer Traum war es schon immer Musik zu machen, zu singen und wie meine großen Vorbilder Cliff Richard, Paul McCartney oder Elvis auf der Bühne zu stehen und die Massen zu begeistern. Tatsächlich hat das auch Ansatzweise geklappt und ich habe eine Zeit lang sogar damit meinen Lebensunterhalt verdient. Das sogar recht gut. Darüberhinaus hat man mir sogar Talent bestätigt. Ich habe mich aber nie nur auf meine Talente verlassen, sondern habe mich immer weitergebildet. Vor Allem habe ich irgendwann beschlossen, dass ich meine Stimme richtig ausbilden lassen möchte.

So stand ich also vor gut 18 Jahren bei meiner ersten Gesangsstunde. An einen Satz meiner Gesangslehrerin erinnere ich mich heute noch als wäre es erst gestern gewesen: „Jeder kann singen – alles eine Frage der Technik und Übung“. Das hat echt gesessen. Dann war also meine Fähigkeit zu singen gar kein richtiges Talent. Wir haben das nie ausdiskutiert.

Natürlich hatte sie mit dieser Aussage recht. Jeder kann rein theoretisch alles werden und machen.

Ein sehr schönes Beispiel dafür ist Menderes Bagci. Seit 2002 hat er in jeder Staffel, mit mehr oder weniger Erfolg bei DSDS, also Deutschland sucht den Superstar, teilgenommen. Man hat sich über ihn, den ewigen „Casting-Loser“, lustig gemacht. Aber er gab nicht auf. „Never give up“ wurde sein Motto. Er versuchte es immer und immer wieder. Und schlussendlich hat er bewiesen, was auch Motivationsgurus, wie Jürgen Höller, ihren Jüngern predigen: „Wenn Du an Dich glaubst, wirst Du Dein Ziel auch erreichen“.

„Gib Dein Ziel niemals auf“

Ja, Menderes Bagci hat sein Ziel erreicht. Man sollte besser sagen, dass er EIN Ziel erreicht hat. Denn er ist nicht Deutschlands neuer Gesangs-Superstar. Wie dem auch sei: Sondern er wurde im Januar 2016 Dschungelkönig. Ob Deutschland das nun braucht, sei mal dahingestellt. Und ob Menderes sich davon was kaufen kann ist auch fraglich. Ja natürlich kann er sich was davon kaufen. Jede Mege. Nämlich zum einen von der fünfstelligen Grundgage die RTL ihm gezahlt hat, und auch bei zukünftigen Auftritten wird er für eine Weile ordentliche Honorare verlangen können. Aber macht ihn das glücklich? Ich würde sagen Ja. Zumindest oberflächlich. Fragt sich aber nur wie lange. Denn sein Ziel war es bestimmt nicht Dschungelkönig zu werden. Für den Moment und den Anlass sicherlich schon. Auf Dauer wird er damit aber auch nicht sehr weit kommen.

Aber was hat sich denn der Michael Jackson-Fan zu Beginn von DSDS erträumt? Was war sein Wunsch, sein Ziel? Man kann davon ausgehen, dass es sein Traum war ein berühmter und erfolgreicher Sänger zu werden.  Vielleicht wollte er auch einfach nur berühmt sein. Das hat er auf eine gewisse, zugleich auch traurige, Art und Weise durch seine jährlichen Auftritte in der Castingshow geschafft. Ich selber habe ihn mal bei einem fragwürdigen Auftritt im Rahmen einer 90’er Party, live und in Farbe erleben dürfen. Fragwürdig deshalb, weil er nun mal einfach kein Talent zum Singen hat. Man muss ihm zwar zugutehalten, dass er sich über die letzten Jahre weiterentwickelt hat, und dass er hart an sich gearbeitet hat. Trotzdem, ein richtig guter Sänger wird er nie werden.

Nun möchte ich mich aber nicht darüber auslassen, was Menderes kann oder nicht. Ich gönne ihm seinen Erfolg. Aber ich wünsche ihm noch viel mehr, dass er für sich selber herausfindet, was seine wahren Talente sind. Denn die hat er, wie jeder andere Mensch auch. Casting-Show-Teilnehmer, mittelmäßiger Tänzer, drittklassiger Michael Jackson-Imitator und Dschungelkönig, ist allerdings kein Talent.

„Das Fernsehen lässt dich nicht im Stich“

Laut Wikipedia ist er ein Unterhaltungskünstler. Künstler? Um Künstler zu sein, sollte man aber irgendetwas können. Natürlich kann er was. Und er unterhält. Aber sicherlich nicht so wie er sich das vorstellt. Ein Menderes Bagci ist also der Beweis dafür, dass man alles im Leben erreichen kann. Ein Jürgen Höller lässt sich gerne mit ihm ablichten und nutzt jede Möglichkeit um zu erklären, dass man sich an Menderes ein Beispiel nehmen sollte. Ich unterschreibe die Aussage von Herrn Höller. Aber nur insofern, wenn man ein klares Ziel hat, was seinen eigenen Talenten entspricht. In der heutigen Zeit scheint es aber offenbar schon ein sehr großes Talent zu sein, herauszufinden welche Fähigkeiten man denn überhaupt hat. Doch diese Mühe sollte man sich unbedingt machen. Es ist ja auch nichts dagegen zu sagen, wenn man sich in verschiedenen Bereichen ausprobiert. Aber blind einem Ziel hinterherzurennen, was nicht seinen wahren Talenten entspricht, ist nicht ganz ungefährlich.

„Goodbye Deutschland – welcome Schuldenfalle“

Nehmen wir mal an, ich möchte Comiczeichner oder Karikaturist werden. Ich bewundere auch diese Schnellzeichner. Allerdings habe ich in frühester Kindheit festgestellt, dass mir das Malen oder Zeichnen nicht besonders liegt. Jetzt kann ich natürlich ganz viel üben, Kurse belegen, noch mehr üben, und wer weiß, vielleicht werde ich sogar ein passabler Zeichner. Aber mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit wird aus mir kein professioneller Karikaturist. Denn eine wirkliche Begabung habe ich dafür nun mal nicht.

Genauso wenig wird aus Menderes ein richtig guter Sänger. Als Schuster sollte man nun mal bei seinen Leisten bleiben. Leider suggerieren uns die Massenmedien, zum Beispiel in Form von den bereits erwähnten Castingshows, dass alles möglich sei.  Noch schlimmer: Sie bieten jedem noch so untalentierten Sänger oder Model eine Plattform. Die Aldi-Kassiererin, sagt „Goodbye Deutschland“ um auf Mallorca ein Restaurant aufzumachen, hat aber in ihrem ganzen Leben noch nie ein warmes Essen aus eigener Hand zubereitet, geschweige mal ein Kochbuch gelesen. Aber zum Glück gibt es ja Profiköche, die dann Medienwirksam unter die Arme greifen und dem Restaurant zu neuem Schwung verhelfen.

Was die Kameras aber ganz oft nicht zeigen ist,  dass das mit so viel Enthusiasmus gegründete Unternehmen, dann doch den Bach runter gegangen ist und die Aldi-Kassiererin knietief in den Schulden steckt. Selbstverständlich kümmert sich auch hier das Fernsehen rührend um solche Fälle, die nun mal leider Gottes Mitten aus dem Leben gegriffen sind. Schwupps, kommt der nette Schuldnerberater, gut gelaunt, „beschlippst, bekoffert und beanzugt*“ (*aus Herbert Grönemeyers Song „Hartgeld“) um die Ecke und schreibt mit ernstem Blick rote und schwarze Zahlen an ein Flipchart.  Und wenn es hart auf hart kommt wird die Anwältin der Armen, die eigentlich nur eine ehemalige Sachbearbeiterin im Jobcenter ist, ins Rennen geschickt.  Und wer weiß, vielleicht sehen wir Menderes auch bald in einem eigenen TV-Format. Platz für ein Cafe oder eine Bar findet sich mit Sicherheit auf Malle.  Realistisch gesehen wird ihm vielleicht auch nichts anderes übrig bleiben.

„Das Wasserfall-Syndrom“

Menderes ist ein schönes Beispiel für Menschen, die an einer Krankheit leiden, die Bodo Schäfer in seinem Buch „Die Gesetze der Gewinner“ als Wasserfall-Syndrom bezeichnet. Ein wirklich schöner Vergleich. Diese Menschen springen kopfüber in den großen aber für sie unbekannten Ozean des Lebens, ohne ihre Richtung festzulegen und ohne ihren Weg zu kennen. Sie lassen sich planlos treiben und von den gefährlichen Strömungen mitreißen. Sie fühlen sich machtlos ausgeliefert und tun darum nichts. Eines schönen Tages entdecken sie dann, dass sie nur wenige Meter von einem gewaltigen Wasserfall entfernt sind. Dann wachen sie endlich auf. Aber ganz oft ist es ein böses Erwachen, denn der Absturz lässt sich nun nicht mehr aufhalten.

„Hör auf Dein Herz“

Bleibt nur zu hoffen, dass er die richtigen Menschen und Berater um sich herum hat und vor Allem auf sein Herz, auf seine innere Stimme hört. Allerdings muss man sich dafür Zeit nehmen und nicht von einem Termin zum nächsten hetzen. Immer im Glauben, dass man nicht aufgeben darf.

Es gibt ein wunderschönes Zitat von Hermann Hesse: “ Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen“. Loslassen bedeutet nicht Aufgeben. Um Loslassen zu können, muss man sich aber zuerst einmal fallen lassen. Und zwar in die sicheren Arme der Stille. Nur dort können wir ganz entspannt unserer inneren Stimme lauschen. In der Stille werden wir auch Antworten bekommen. In der Stille werden wir auch spüren, ob der Weg, den wir im Moment gehen, der Richtige ist.

Sokrates sagte zwar “ „Wer weiss, was richtig ist, wird auch das Richtige tun.“ Ich würde aber sagen, dass man nur das Richtige tun kann, wenn man fühlt, was richtig ist.

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4 Gedanken zu “„Never give up“ oder die Kunst seine Talente herauszufinden und vor Allem zu leben.

  1. Hallo Alan,

    darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht:

    https://marenschreibt.com/2016/01/30/aus-dem-archiv-warum-scheitern-im-leben-wichtig-ist/

    Wer sagt eigentlich, dass das Leben immer linear verlaufen muss? Scheitern und Ausprobieren gehört einfach dazu. Und es ärgert mich oft, wenn mir jemand sagt, dass ich „Glück habe“. Hinter all dem was ich tue steckt sehr viel Arbeit und „Lernerfahrungen“, es wird auch mir nichts geschenkt, aber umso besser fühlt es sich für mich an, wenn es irgendwann klappt.

    Liebe Grüße,
    Maren

  2. Hey Maren, tja, die Menschen sehen nur das was sie sehen wollen. Aber mir geht es zu Weilen auch tierisch auf den Keks, wenn ich mir anhöre, dass ich doch so ein unglaubliches Glück in meinem Leben habe. Oder „so gut wie du möchte ich es auch mal haben“. Ja, ich habe Glück. Dafür bin ich sehr dankbar. Aber wie Du schon sagst, steckt hinter vielen Dingen einfach eine Menge Arbeit und Disziplin. Liebe Grüße, Alan

  3. marcutio1

    Hallo Alan, danke für diesen schönen Artikel. 🙂
    Er hat viel in mir angesprochen und ich sehe das sehr ähnlich wie du.
    Beste Grüße Marco

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