1:0 für dich – Werde dein eigener Fan !

dreamstime_xs_40695002

Wir sind Weltmeister. Also amtierende Fußballweltmeister. Mit der Europameisterschaft hat es dieses Jahr ja nun nicht geklappt, was man aber durchaus verkraften kann. Mit Michael Schuhmacher waren wir Formel1-Weltmeister und 2010 sogar Eurovision Song Contest Sieger. Allerdings hat den Lena Meyer Landrut mit ihrem Song „Sattelite“, und vor allem mit ihrer unbekümmerten und Mädchenhaften Leichtigkeit gewonnen. Und soweit ich mich erinnern kann, saß Michael Schumacher am Steuer des Ferrari F1, als er im Jahre 2000 Weltmeister wurde. Aber wir waren auch schon Papst und nicht zu vergessen sind wir auch Dank Helene Fischer „Atemlos“.

Auf die meisten Dinge kann man zu Recht stolz sein. Ja man darf und sollte sich natürlich an den Erfolgen anderer erfreuen. Wobei diese Freude natürlich ihre Grenzen hat. Über die Beförderung des Kollegen und das neue schicke Auto des Nachbarn wird dann eher die Nase gerümpft. Obwohl sich immer mehr Menschen mit den Erfolgen Anderer freuen, kann man bei vielen Menschen einen immer größer werdenden Identitätsverlust feststellen. Es scheint so, dass sich viele regelrecht an Ereignisse wie Weltmeisterschaften klammern. Seit 2006 wird jedes Fußballturnier ausgiebig gefeiert.

„Deutschland war schon immer eine Turniermannschaft“

Nun kann man sich darüber streiten ob das Abfeuern von Silvesterböllern, das dekorative Beschmücken der Autos in den Landesfarben oder das Alkohol getränkte Ausrufen von „Schlaaand“ (für das „Deut“ bleibt da leider keine Zeit mehr), etwas mit Feiern zu tun hat. Jeder wie er es mag. Offensichtlich erzeugt das eine Art Gemeinschaftsgefühl. Immerhin, denn in einer Zeit wo man seinen Freunden in den sozialen Netzwerken morgens ein blinkendes Kaffeetassenbild mit Kätzchen zupostet, anstatt den Versuch zu unternehmen sich in der „echten Welt“ auf ein Kaffee zu treffen, muss man das auch mal lobend erwähnen.  Und selbst Frauen, für die früher das Fußballinteresse ihrer Männer ein Grund zur Scheidung war, werden nun Experten. Sorry Expertinnen: „Deutschland war schon immer eine Turniermannschaft“. Die wurden immer mit jedem Spiel besser“.  Ist das wirklich so ? Ich erinnere mich noch an andere Zeiten. Aber egal, tatsächlich kommt es wahrscheinlich gar nicht so sehr auf den Wahrheitsgehalt solcher Aussagen an. Dabei sein ist alles.

Also fassen wir mal zusammen: Viele Menschen sind also Weltmeister im Feiern, entdecken ihren Nationalstolz wieder und liegen sich weinend in den Armen wenn ihre Mannschaft den Sieg nach Hause fährt oder auch nicht. Bei einer Niederlage sind wir aber immer noch Weltmeister der Herzen.

„Brot und Spiele“

Diese ganzen Spektakel sind eigentlich nichts anderes als pure Ablenkung. Im alten Rom nannte man sowas „Brot und Spiele“. Gezielt eingesetzte Manipulationsmethoden, um die Gunst des Volkes für den jeweiligen Machtinhaber zu sichern. Das funktioniert auch heute noch ganz wunderbar. Perfekt inszeniert für eine abgestumpfte Gesellschaft. Einer Gesellschaft deren Interesse oftmals über die Grundbedürfnisse wie essen, trinken und wohnen nicht hinausgeht. Nicht zu vergessen Sex, Drugs and Rock’n Roll. Bei genauerer Betrachtung sind Public Viewing, Love Parade und Sportveranstaltungen sind nichts anderes als früher Wagenrennen oder Gladiatorenkämpfe.

Grundsätzlich ist dagegen auch nichts zu sagen. Aber wo ist denn der Spirit, die Freude der Jubeltaumel wenn diese Events vorbei sind ? Wo ist das positive Gemeinschaftsgefühl im Alltag ? Und die vielleicht wichtigste Frage: Jubelst Du Dir selbst zu ? Ja, bist Du Dein eigener, größter Fan. Feierst Du Deine Erfolge ? Ist dein Leben eine Party, dass dich so berauscht, dass Du gar keine Drogen brauchst?

Fragen über Fragen und irgendwie höre ich keine Antworten. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass diese Massenveranstaltungen immer mehr an Bedeutung verlieren würden, wenn jeder Mensch sich mehr an seiner eigenen Identität erfreuen würde.

„Ich schmecke nach Vanille“

Wenn Menschen gefragt werden wer sie sind, dann werden sie mit Sicherheit mit ihrem Namen antworten. Tatsächlich ist das aber eine durch und durch falsche Antwort.  Zugegeben ist das auch eine schwierige Frage. Vor Allem wenn man sich bislang noch gar keine Gedanken darüber gemacht hat.  Auch sind wir nicht unser Körper mit dem wir uns gerne identifizieren. Das ist natürlich nicht verwunderlich wenn man bedenkt, dass wir ihn ein Leben lang mit uns herumtragen. Und dauernd meldet er sich auch. Ungefragt. Sei es mit ständigen Erkältungen, Schmerzen in den Gelenken oder Kopfschmerzen. Böser Körper.

Viele Menschen scheinen an einem so großen Identitätsverlust zu leiden, dass sie über Facebook-Apps herausfinden wollen wer sie sind. Da erfährt man sofort wer man im früheren Leben war, wieviel man wiegt, welcher Beruf am Besten zu Dir passt, und auch wann man stirbt. Ich war mal neugierig und wollte wissen nach was ich schmecke:

Dieser Test hat absolut recht. Stimmt alles. Habe ich trotzdem nicht geteilt. Wozu auch. Immerhin gefällt das ja schon 103.950 Facebookern.

Und da sind wir wieder bei „Brot und Spiele“. Ist den Menschen denn so langweilig, dass sie lieber so einen Test machen, als herauszufinden, wer sie wirklich sind?

Aber wer sind wir denn nun, wenn wir nicht unser Name oder unser Körper sind?  Jeder von uns ist etwas, was sich die wenigsten wirklich bewusst machen. Auch das ist nicht erstaunlich, denn in der Schule oder durch unsere Eltern lernen wir zwar wie wir entstehen, aber nicht wer wir sind. Das was wir sind ist reines Bewusstsein. Alles was wir sind, ist geistiger Natur. Unser Bewusstsein besitzt einen Kopf. Allerdings rein bildlich gesprochen. Passt aber ganz gut, weil da oben, in unserem Hirn, die ganzen wilden Gedanken Tag und Nacht ausgelassene Partys feiern. Und die können richtig feiern. Durch den Kopf des Bewusstseins, auch gerne als Verstand bezeichnet, können Dinge beschrieben und beim Namen genannt werden. Unser Körper führt dann nur noch die Anweisungen des Verstandes aus.

„Du bist was du denkst“ – Buddha

Um nun aber wieder mehr zu seiner wahren Natur, zu seinem wahren ich zurückzufinden, wird einem nichts anderes übrig bleiben, als sich weniger ablenken zu lassen. Weniger Brot und Spiele und weniger Fernsehen. Dafür aber viel mehr Spaß und Spiel und in die ferne sehen. Weniger Nachrichten konsumieren aber sich mehr nach der Sonne richten. Weniger Facebook aber mehr Bücher, die ein Lächeln in Dein Gesicht zaubern.

Das was sich hier so einfach liest, scheint aber ein großes Problem zu sein. Viele Menschen haben ihre Macht abgeben. Nicht nur an das Fernsehen, die Nachrichten an Social Media, oder an Menschen, die ihnen nicht gut tun, sondern vor allem an die Gewohnheit. Und die Gewohnheit ist ein fieses und gemeines Hamsterrad. Ein Teufelskreis. Wir sind süchtig nach Ablenkung.

„Wer immer in Zerstreuung lebt, wird fremd im eigenen Herzen“ – Adolph Freiherr von Knigge.

Ohne es zu merken entfernen sich viele Mitmenschen immer mehr von sich selbst. Weg von ihrer Identität. Ganz weit weg von ihrem wahren ich. Stattdessen wächst das bereits angesprochene Wir-Gefühl. Wir sind wieder wer. Allerdings immer nur temporär. Ja aber wer denn zum Teufel ?  Aber auch das weiß keiner.

Genau deshalb wird es Zeit, dass wir uns die „Ich-Frage“ stellen. Wer bin ich ? Um das herauszufinden, wird es aber notwendig sein, die bei vielen sehr bequem und gemütlich eingerichtete Komfortzone zu verlassen. Das Leben findet nicht in dieser Zone statt. Das Leben findet statt, wenn wir uns auf Abenteuer einlassen und anfangen unsere Erfolge zu feiern. Auch die ganz kleinen. Vor Allem, die ganz kleinen und auch die Fehler. Denn ohne Fehler gibt es auch keine Erfolge.

„Wer keine Fehler macht, macht auch sonst nichts.“

Setze Dir klare Ziele und mache kleine Schritte. Vergiss aber nie Dich für die Erfolge zu loben. Fange auch an den Montag zu feiern. Der Montag ist auch nur ein Tag. Aber streich das Wort „nur“ aus dem letzten Satz. Der Montag, und jeder andere Tag, ist ein Tag in Deinem Leben. An jedem neuen Tag beginnt ein neues Leben. Und wenn etwas gerade nicht so läuft wie Du es Dir vorstellst, dann stehe jeden Morgen 5 Minuten früher auf und stell Dir genau vor, wie Du Dein Leben gestalten möchtest.  Werde Dein eigener Fan. Noch heute.

„Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst – Albert Schweitzer“.


Bildrecht: Titelbild: Excited  german fan in face paint cheering
© Wavebreakmedia Ltd | Dreamstime.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s